Unser Schüleraustausch in Bosnien & Herzegowina

Es ist jetzt fast 10 Monate her, seit wir zum ersten Mal über einen möglichen Austausch in dieses unbekannte Land nachgedacht haben. (Siehe unsere Artikel vom 1. April und vom 15. April.) Jetzt liegt der Austausch hinter uns. Die 10 Tage unserer spannenden Begegnungen und Aktivitäten in Sarajevo, Neum, Dubrovnik und Mostar möchten wir nun anhand einiger Fotos und kurzer Tagesberichte der Schüler*innen mit Ihnen teilen.

Dienstag, 3.5.2016

Heute ist es endlich soweit. Unsere 13 Schüler*innen treffen sich in aller Frühe mit der Gruppe aus der Bonifatiusschule Wilhelmsburg am Hamburger Flughafen. Es geht los! Und wir könnten aufgeregter nicht sein…

Beim Einchecken merken wir, dass einer der Pässe unserer Schülerinnen nicht mehr mindestens drei Monate gültig ist. Großes Entsetzen macht sich breit. Aber sie hat Glück: Nach einigen Gesprächen mit verschiedenen Behörden und der Lufthansa und einem neuen Pass im Gepäck kann sie ihren Flug einen Tag später antreten. Glück gehabt!

Um die Mittagszeit kommen wir nach Zwischenstopp in München endlich in Sarajevo an. Nachdem wir in der kleinen Flughafenhalle freudig begrüßt wurden und wir unsere Freunde aus Bosnien und Herzegowina wieder in die Arme schließen konnten, fahren alle mit ihren Gastfamilien nach Hause. Dort haben wir das Glück, in die ersten kulinarischen Genüsse zu kommen.  

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Tagesbericht von Elina aus Hamburg (9. Klasse)

Heute morgen trafen wir uns um 6.30 Uhr am Flughafen. Die einen waren aufgeregt, die anderen müde wie ich. Leider konnten Ayse und János nicht mit. Erst mussten wir die Tickets holen und dann haben wir unsere Koffer abgegeben. Und dann hieß es auch schon Abschied von der Familie zu nehmen, 10 Tage ohne Mutti. Als alle durch die Sicherheitskontrolle kamen, ging es auch schon in den Flieger nach München. Als wir in München waren, ging es schon in den Flieger nach Sarajevo!!!!

Als wir ankamen, haben wir endlich alle wieder gesehen und uns sehr gefreut. Als ich mit Sara nach Hause gefahren bin, hat sie mir alles gezeigt, da ihr Papa eine Mini-Rundtour durch die Stadt gemacht hat. Als ich bei ihr zuhause ankam, gab es erstmal was Bosnisches zu essen. Später sind ich, Carla, Dalia und unsere Austauschschülerin in ein Café gegangen, wo wir den geilsten Schokoladenkuchen gegessen haben. Später sind wir noch in ein Shopping-Zentrum gegangen, bevor wir nach Hause gegangen sind. Dort haben wir was zu Abend gegessen, bevor es in Bett ging.[bg_faq_end]

Mittwoch, 4.5.

Heute treffen wir uns recht früh in der Srednja Ekonomska Škola Sarajevo (High Economic School Sarajevo), unserer Partnerschule, wo wir zunächst mit selbst gestalteten Plakaten, Musik, Snacks und Getränken empfangen werden. Die Schüler*innen aus Sarajevo haben ein kleines Willkommensfest für uns vorbereitet. Mit E-Gitarre und Mikrofon begrüßen sie uns. Wir singen zusammen „Heal the World“ von Michael Jackson mit einer geänderten Strophe über unsere internationale Begegnung.

Im Anschluss an dieses herzliche Willkommensfest machen wir eine Führung durch die Stadt, bei der wir viel über die bewegende ältere und jüngere Geschichte Sarajevos erfahren. Unter anderem besuchen wir das Rathaus in Sarajevo, das erst vor kurzem renoviert wurde. Am Nachmittag verlässt uns die Boni-Gruppe, die sich an diesem Tag nach Trebinje aufmacht, und wir genießen unsere Freizeit.

Donnerstag, 5.5.

Heute steht uns ein tolles Programm bevor. Treffpunkt ist wieder die Srednja Ekonomska Škola Sarajevo. Dort stellen unsere Schüler*innen Hamburg und seine Sehenswürdigkeiten vor. Nach einer kleinen lustigen Einführung in die bosnische Sprache singen wir zusammen einen bosnischen Popsong und schließlich auch zwei deutsche Lieder. Nun ist Helene Fischer auf Wunsch unserer Schüler*innen (leider!) auch in Bosnien & Herzegowina bekannt… 😉

Nach einem leckeren Mittagssnack dürfen wir es uns in einem City Tours Bus gemütlich machen und lernen Sarajevo und sein schönes, sehr grünes und hügeliges Umland bei einer Rundfahrt und schönstem Sonnenwetter besser kennen. Wir machen Halt beim „Tunnel of Hope“. Dieser Fluchttunnel war eine unterirdische Fußweg-Verbindung unter dem Flughafen von Sarajevo während der Belagerung der Stadt von 1992 bis 1995. Wir sind sehr ergriffen von diesem bedrückenden Ort, der lange Zeit die einzige Verbindung zur Außenwelt war und begeben uns danach wieder zurück in die Innenstadt, wo im Anschluss alle Freizeit haben.

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Tagesbericht von Emma aus Hamburg (11. Klasse)

Heute trafen sich alle Schüler um 09:00 Uhr in der Schule. Nach einigen technischen Problemen konnten die Präsentationen der deutschen und danach der bosniakischen SchülerInnen beginnen. Die deutschen Schüler stellten Hamburg vor, wie z.B. den Dom, einige Promis und Flüsse, die durch Deutschland fließen. Die bosniakischen SchülerInnen stellten ihren Hamburg Aufenthalt mit vielen Bildern vor. Das war ziemlich lustig! Währenddessen saß auch noch eine Deutschklasse dabei, die so mehr über Hamburg lernen konnte. Im Anschluss wurde noch ein bosniakisches und ein deutsches Lied zusammen gesungen.

Um 14:00 Uhr begann die Stadtrundfahrt durch Sarajevo, die einen Halt bei einem Siege Tunnel machte. Durch einen kurzen Film wurde uns Schülern nochmal die Geschichte Sarajevos nahegebracht, die durch Erzählungen eines Überlebenden des Krieges noch verstärkt wurde. Um 17:00 Uhr war die Führung zu Ende und nachdem der Bus wieder in Sarajevo ankam, hatten wir alle Freizeit.[bg_faq_end]

Freitag, 6.5.

Heute haben sich die Bosniaken etwas ganz Besonderes für uns ausgedacht: Wir malen! Und zwar nicht irgendetwas, sondern ein Wandgemälde an der Rückseite der Schule. Eine Jugendorganisation leitet das Projekt und hat sich auch das Design ausgedacht. Unter anderem ist dort folgende Botschaft zu lesen: „Liebe ist eine Sprache, die jeder versteht“. Auch eine Tageszeitung aus Sarajevo berichtet über unsere Aktion.

Unsere Schüler*innen halten richtig gut durch, auch wenn es zwischendurch immer mal wieder regnet. Das Wetter ist unbeständig hier in Sarajevo, das haben wir inzwischen schon verstanden. Alle vier Jahreszeiten an einem Tag, wurde uns gesagt, sind ohne Probleme möglich. Aber das kennen wir ja sehr gut aus Hamburg. Daher fühlen wir uns hier pudelwohl.

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Tagesbericht von Nádia aus Hamburg (9. Klasse)

Wir haben uns an der Schule um 10 Uhr getroffen, um ein Bild an der Schulwand zu malen. Auf dem Bild sind verschiedene Figuren und Schatten zu sehen mit der Überschrift „Liebe ist die Sprache, die jeder versteht“.

In der Schule haben eine Pause gemacht und haben Mittagessen bekommen. Nach dem Essen, haben wir uns wieder an der Arbeit gemacht und weiter gemalt. Gegen 17 Uhr waren wir fast fertig, die Maler mussten nur noch die schwierigen Stellen malen. Das Bild ist sehr schön geworden und der Tag war sehr schön, alle haben mitgeholfen.[bg_faq_end]

Samstag, 7.5.

Heute steht uns eine wunderschöne Reise bevor. Wir treffen uns alle recht früh an der Schule und dann startet unser bequemer Reisebus. Unser erstes Ziel: Mostar. Das ist die größte Stadt der Herzegowina und hat eine bewegende Geschichte. Im Bosnienkrieg wurde die berühmte Brücke von Mostar „Stari Most“ von kroatischen Streitkräften zerstört. Die Stadt war zu diesem Zeitpunkt unterteilt in einen kroatisch-westlichen Teil und einen bosniakisch-östlichen Teil. Nach Ende des Bürgerkrieges wurde die Brücke wieder aufgebaut und offiziell 2004 wieder eröffnet. Sie ist somit ein wichtiges Symbol für die Beendigung des Krieges und das Zusammenführen der zwei Teile von Mostar.

Hier treffen wir für zwei Stunden auf unsere Freunde aus Trebinje und schauen den mutigen Brückenspringern zu. Im Anschluss daran fahren wir nach Počitelj, wo wir in wunderschöner Kulisse zu Mittag essen. Nach dieser Pause haben wir ein wenig Zeit, Počiteljs pittoreske Burg zu erkunden. Die Smartphones laufen heiß, hier ist ausnahmsweise mal zurecht Selfie Time.

Wieder im Bus fahren wir noch einmal eine Dreiviertelstunde zu den unglaublichen Kravica Wasserfällen. Dieser Ort erfreut sich bei uns allen großer Beliebtheit. Ein paar Mutige klettern auf Bäumen über den Wasserfällen herum und springen ins 14°C kalte Wasser. Hier könnten wir noch Stunden verbringen. Aber wir haben ja noch einiges vor heute…

Bosnien und Herzegowina besitzt genau einen Ort am Meer: Neum. Und da wollen wir hin. Um dort hin zu gelangen, müssen wir zweimal die Grenze überqueren: einmal rein nach Kroatien und dann wieder raus. Die Grenzbeamten gucken ein wenig grimmig – hier kann man nach Aussage des Busfahrers gern mal ein paar Stündchen warten. Aber wir haben Glück. Und nach weiterer Fahrt durch wunderschönes Küstengebiet entlang der Adria und erneuter Einreise nach Bosnien und Herzegowina kommen wir schließlich in Neum an.

Hier wohnen wir in einem schönen Hotel direkt am Meer. Nach einem ersten Sprung in die Adria kommen wir alle zum Abendessen, ein reichhaltiges Buffet, zusammen und lassen es uns gut gehen. Danach treffen wir uns alle in einem Seminarraum des Hotels. Wir schauen einen kleines Film über die Zeit des Austausches in Hamburg und verteilen an alle kleine bunte Turnbeutel mit der Aufschrift: „exCHANGE 2016 – Hamburg Sarajevo Trebinje“. Ab jetzt gehören Schülerrücken mit diesen bunten Turnbeuteln zum täglichen Bild, das unsere Schülergruppe abgibt. Zwei Stunden später soll dann die große Sause in der hoteleigenen Bar steigen. Dafür werden jetzt also noch Haare geglättet, Outfits ausgesucht und wieder verworfen und Make-Up aufgetragen. Wir haben die Bar am Meer für uns und tanzen bis Mitternacht.

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Tagesbericht von Ceyda aus Hamburg (9. Klasse)

Heute standen wir sehr früh auf und bereiteten uns für die Fahrt vor. Um kurz vor Acht trafen wir uns alle vor einem Theater und so fuhren wir alle los.

(Mostar fehlt!!!!)

Zwei Stunden später hielten wir in Počitelj und aßen dort gemeinsam zu Mittag.

Nach dem Mittagessen hatten wir zwei Stunden Freizeit und durften die Gegend etwas erkunden. Ein paar von uns guckten sich die Shops an und die anderen die große Burg von Počitelj. Später fuhren wir weiter und 2-3 Stunden später hielten wir erneut und diesmal in Čapljina. Dort gab es einen sehr großen und göttlichen Ausblick auf einen Wasserfall namens Kravice. Wir hatten den Blick direkt auf den Wasserfall und haben die Brise alle genossen. Ein paar von uns sind auch rein gesprungen und die anderen ließen nur die Füße ins Wasser baumeln.

Später, als wir wieder weiter fuhren, waren wir sehr auf das Hotel gespannt. Wir kamen nach 4-5 Stunden fahrt endlich an und checkten direkt ein. Nachdem alle ihre Sachen im Zimmer abgelegt haben, sind erstmal so gut wie alle im Meer schwimmen gegangen und wir hatten einen super Ausblick auf den Sonnenuntergang.

Nach dem Schwimmen haben wir gemeinsam in der Kantine zu Abend gegessen und danach haben wir uns alle fertig für die Feier gemacht. Um 20:30 Uhr trafen wir uns alle im Besprechungszimmer und besprachen den Ablauf und uns wurde von den Lehrern ein sehr tolles Video gezeigt von dem ersten Teil des Austausches. Danach bekamen wir ein Turnbeutel in unserer gewünschten Farbe geschenkt.

Nach dem Gespräch gingen wir alle in eine Bar/Disco und feierten in die Nacht rein. Das war echt lustig dort und wir hatten alle sehr viel Spaß.[bg_faq_end]

Sonntag, 8.5.

Nach einer erholsamen Nacht im Strandhotel empfängt uns der nächste Tag erneut mit mediterraner Sommerstimmung. Schon direkt nach dem Frühstück liegen wir am Pool und genießen den Wechsel von Sonnen- und Wasserbad. Da Neum recht klein ist und wir uns sowieso heute noch eine andere, weit berühmtere Stadt an der Adria anschauen wollen, kommt uns der freie Vormittag ohne Programmpunkte und Gruppenaktionen sehr gelegen.

Gegen 11 Uhr sitzen wir wieder im Bus und verlassen Neum in Richtung Süden, weiterhin immer an der herrlich blauen Adriaküste entlang. Nach erneuten Grenzkontrollen, die uns im Wechsel zwischen Bosnien & Herzegowina und Kroatien hin- und herführen (was jedesmal Einreise in die EU und Ausreise aus der EU bedeutet), erreichen wir die berühmte Hafenstadt Dubrovnik. Besonders die architektonisch reizvolle Altstadt ist bei Touristen sehr beliebt. Wir erkunden eine Weile die engen Gassen zwischen den dicken Festungsmauern und dichten Toursitenströmen, bevor sich die Wege der Gruppe aus Trebinje wieder von den unseren trennen. Wir müssen nämlich schon am frühen Nachmittag wieder aufbrechen. Die Trebinjer haben einen Heimweg von nur 30 km, während wir noch 250 km bis Sarajevo vor uns haben.

Während wir Dubrovnik und Adriaküste hinter uns lassen und unser Bus wieder den beschwerlichen Aufstieg ins zentrale Gebirgsland von Bosnien & Herzegowina vor sich hat, machen wir am frühen Abend noch einmal Halt. In einem kleinen Dorf, dessen Schule zwei Eingänge hat – einen für die muslimischen Bosniaken und einen für die orthodoxen Serbischstämmigen der Republika Srpska – nehmen wir noch eine gemeinsame Mahlzeit ein: Auf dem Gelände einer ehemaligen Wassermühle sitzen wir dicht neben malerisch rauschenden Wasserfällen. Der Gastwirt, für den wir kurz nach Eröffnung seines Restaurantes die erste größere Gruppe von Gästen sind, ist glücklich, uns an diesem lauen Sommerabend mit selbst gezüchteten Forellen zu bedienen.

Die letzten Stunden im Bus bei einsetzender Dämmerung führt auch zu einsetzender Ermüdung unserer Schüler*innen. Nach diesem ereignisreichen Wochenende freuen sich alle, in Sarajevo wieder „zu Hause“ anzukommen.

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Tagesbericht von Liza aus Hamburg (8. Klasse)

Wir sind alle sehr früh aufgestanden, so gegen 7-8 Uhr, da das Frühstück sehr früh war und wir um 10 Uhr schon auschecken mussten. Danach hatten wir noch 2 Stunden Aufenthalt in Neum. Danach ging es weiter: Wir sind nach Dubrovnik gefahren, das liegt in Kroatien und es ist eine wunderschöne Stadt. Auch da hatten wir wieder 2 Stunden Aufenthalt. Wir konnten bisschen rum gehen und uns die Stadt angucken.

Wir fuhren danach weiter in ein Restaurant und haben ganz lecker gegessen. Nach dem Essen sind wir auch schon nach Hause gefahren. Wir haben nochmal 3 Stunden gebraucht und wir waren auch erst gegen 22 Uhr wieder in Sarajevo. Es war ein richtig schöner aber auch anstrengender Tag.[bg_faq_end]

Montag, 9.5.

Zum Glück konnten wir ein wenig von der Sonne und Wärme der Adriaküste mit ins Landesinnere nehmen. Sarajevo begrüßt uns heute das erste Mal mit frühsommerlich warmem Sonnenschein, der die Idylle der historischen Innenstadt in ganz neues Licht rückt und Lust auf einen Bummel durch die belebten Straßen dort macht.

Zuerst freuen wir uns aber auf einen spannenden Workshop zusammen mit verschiedenen Jugendorganisationen, die sich zusammengeschlossen haben zur “Association of Secondary Students”. Diese engagieren sich z. B. für Menschenrechte und Aufarbeitung der eigenen jüngeren Geschichte, für außerparlamentarische politische Arbeit und für mediale Repräsentation der Jugend in Bosnien und Herzegowina. Wir treffen uns in deren „Konferenzräumen“ im selbst ausgebauten Kellergeschoss eines Gebäudes, das sich direkt neben dem berühmten Marktplatz in der Nähe der Kathedrale befindet. In großer Runde diskutieren wir mit den Referent*innen über Möglichkeiten der gesellschaftspolitischen Partizipation der Jugend. Unsere Schüler*innen haben etwas Mühe, sich auf diese auf englisch geführte und baulich bedingt schnell sauerstoffarme Diskussion einzulassen. Nach einem kleinen Gruppenspiel kommt aber wieder neues Leben in unsere müden Knochen.

Wenig später sitzen wir erneut in einem Bus. Wieder verlassen wir Sarajeo. Diesmal aber bergauf. Wir fahren zu einem der Austragungsorte der Olympischen Winterspiele von 1984, zum Berg Bjelašnica. Mit seinen knapp über 2.000 Metern Höhe gehört er zu den höchsten Gipfeln im Umland der Hauptstadt. Dort, in einer befremdlich anmutenden Betonwüste aus teilweise im Bau befindlichen Skihotels auf kargem Boden weitab von menschlichen Siedlungen, essen wir zu Mittag und fahren anschließend mit einem der zu dieser Jahreszeit leerlaufenden Skilifte ein Stück in Richtung Gipfel. Von hier aus sieht man in der Ferne den beeindruckenden Talkessel von Sarajevo liegen – mittlerweile wieder im Nieselregen.

Der Rest des Tages ist Freizeit, die wir auch brauchen, um uns für die morgige Aktion mit körperlichem Einsatz auszuruhen.

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Tagesbericht von Matti aus Hamburg (11. Klasse, Heinrich-Hertz-Schule)

Heute haben wir uns um 10 Uhr in der Stadt getroffen und sind gemeinsam mit der Gruppe zum Büro der ASuBIH (Association of Secondary School Students), einer Gruppe, die mit sozialer Arbeit die Welt verbessern will, gegangen. Unter anderem veröffentlichen sie alle zwei Monate eine Zeitung für die Jugendlichen, die sich mit alternativen Themen wie z. B. Religion oder Liebe auseinander setzt. Wir haben außerdem mit Mitgliedern anderer NGO’s (Non-Governmental-Organizations) gesprochen und uns über ihre Ziele ausgetauscht. Nachdem sich alle gut über die Organisationen und ihre Hintergründe informiert fühlten, haben wir noch Vertrauen aufbauende Spiele gespielt, um den Teamgeist zu stärken.

Nachdem wir damit durch waren, ging es nach einer kleinen Pause mit dem Bus zum Bjelašnica, einem der höchsten Berge Bosniens und einem beliebten Skigebiet im Winter. Dort bekamen wir in einem Hotel ein typisch bosnisches Mittagessen, was nach der relativ langen Busfahrt den meisten sehr gut tat. Für die, die wollten, ging es dann noch mit einem Skilift ein Stück höher auf den Berg, von wo man eine schöne Aussicht genießen konnte. Wieder unten angekommen machten wir uns auf den Heimweg. Anschließend teilte sich die Gruppe auf und wir ließen den Abend in kleinen Gruppen ausklingen.[bg_faq_end]

Dienstag, 10.5.

Am Vormittag treffen wir uns wieder in unserer Partnerschule, der Srednja Ekonomska Škola, um einem Fernsehteam des hiesigen Staatsfernsehens ein Interview zu geben und das Resultat unserer Wandmalerei zu präsentieren. Fürs Interview meldet sich spontan und unkompliziert Elina, die ein paar Worte zu den Erfahrungen mit unseren Gästen in diesem schönen Land in die Kamera spricht – zu ihrer Erleichterung darf sie das auf deutsch tun. Ein Austauschschüler aus Sarajevo, der sehr gut deutsch spricht, übersetzt simultan.

Nach unserem Medienauftritt verabreden wir uns wieder bei den Büros der Jugendorganisation von gestern. Im Hinterhof des Gebäudes gibt es eine brachliegende Fläche mit ungeklärten Eigentumsverhältnissen. In bewährter Hausbesetzermanier sind die Mitglieder der Association hier dabei, einen öffentlichen Raum für alternative Jugendkultur zu schaffen. Dazu bedarf es noch einiger Umbauarbeiten, beginnend mit der Beseitigung von einer meterdicken Lage von mit Pflanzen überwuchertem Bauschutt – vermutlich auch Resten der Kriegsschäden.

Mit Schaufel, Schubkarre und Schutzhandschuhen geht es mit Elan ans Werk. Einige unserer Schüler*innen wollen gar nicht mehr aufhören. Neben dem Körpereinsatz ist es hier vor allem der gute Teamgeist, der schnell zu einem sehenswerten Ergebnis führt. Währenddessen bereiten uns unsere Gastgeber ein leckeres Barbeque unter einem großen Baum, der dem Hinterhof ein gemütliches, lebendiges Zentrum gibt. Als das Tagewerk vollendet ist, sind wir alle mächtig stolz, in so kurzer Zeit so viel geschafft zu haben. Der Rest des Tages steht allen wieder zur freien Verfügung.

Mittwoch, 11.5.

Heute ist der letzte gemeinsame Tag. Die Gruppe aus Trebinje bricht schon früh morgens auf, um auf dem Weg nach Sarajevo noch einen Stopp an einem Wildwasserfluss zu machen. Mit erfahrener Begleitung stürzen sie sich mit Schlauchbooten in die Fluten und berichten später, dass sie dabei viel gemeinsamen Spaß hatten. Wir in Sarajevo genießen die freie erste Tageshälfte, um noch einmal gemütlich durch die Stadt zu schlendern und letzte Einkäufe für die Lieben daheim zu machen. Am Nachmittag treffen wir uns wieder in der Schule, um die Abschlussfeier vorzubereiten, die dort heute Abend stattfinden soll. Im Lauf der Stunden wächst das Buffet kontinuierlich an und die Musikbeschallung in der großen Eingangshalle wird immer lauter. Als endlich die Gruppe aus Trebinje eintrifft, eröffnen wir das Buffet und beginnen damit, den letzten Abend mit der ganzen Gruppe ausklingen zu lassen.

In einem Klassenraum haben wir ein kreatives Feedback-System installiert: Über die gesamte Wand verteilt befestigen wir offene Briefumschläge mit Namen – je ein Umschlag für jede*n Teilnehmer*in. Den ganzen Abend über verteilen wir kleine Zettel mit persönlichem Feedback in die Umschläge. Am Schluss „erntet“ Jede*r seinen / ihren gefüllten Umschlag und liest mit Spannung die kleinen Nettigkeiten der Anderen. Jetzt haben wir alle zu unseren lebendigen Erinnerungen auch liebe Worte von unseren neuen Freunden, die wir mit nach Hause nehmen können.

Als Abschluss überreichen uns unsere neuen Freunde aus Sarajevo noch ein Abschiedsgeschenk: Jede*r von uns bekommt ein Puzzle mit dem Gruppenfoto vorm Rathaus von Sarajevo und eine schön gestaltete Mappe mit dem umgetexteten Lied, das wir letzte Woche gemeinsam gesungen haben. Nachdem dann die letzten Töne verklungen und die letzten Tanzbeine zur Ruhe gekommen sind, zerstreut sich unsere Gruppe wieder, um die letzte Nacht in Sarajevo noch voll ausnutzen zu können. Manche gehen mit ihren Austauschschüler*innen noch „auf die Piste“, andere einfach ins Bett. Denn morgen steht uns die anstrengende Rückreise bevor.

Donnerstag, 12.5.

Mit gepackten Taschen und einem beklommenen Gefühl im Bauch treffen wir uns gegen Mittag am Flughafen. Alle unsere Austauschschüler*innen sind mitgekommen, um uns zu verabschieden. Der Check-In verläuft emotionslos, der Abschied nicht. Auf fast allen Gesichtern sieht man deutliche Spuren von frischen Tränen, manche kommen aus einer Dauerumarmung gar nicht mehr los. Erst die harte Realität an der Passkontrolle separiert uns wieder in Deutsch und Bosnisch-Herzegowinisch. Zurück bleiben Erinnerungen an eine kurze und intensive Zeit neuer Freundschaften.

Trotz Verspätung unseres ersten Fluges nach München bekommen wir dort gerade eben den Anschlussflug und landen pünktlich und sicher im strahlend sonnenüberfluteten Hamburg. Und trotz aller Trauer über die Abreise sind hier doch alle sehr froh und glücklich, ihre Lieben wieder zu sehen, die sie in der Empfangshalle mit offenen Armen begrüßen.

Dieser Austausch hat bei allen bleibende Eindrücke und keimende Spuren hinterlassen. Wir freuen uns über die gute Zusammenarbeit mit unseren Kolleg*innen in Bosnien & Herzegowina und sind gespannt auf das nächste Erlebnis in diesem wundervollen Land.

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Tagesbericht von Dalia aus Hamburg (8. Klasse)

Heute haben wir unsere Rückreise angetreten, der Abschied fiel schwer… Tränen flossen und die meisten waren traurig, gehen zu müssen! Nachdem wir die Sicherheits- und Passkontrolle passiert haben, mussten wir erstmal mit 40 min Verspätung klarkommen. Das war jedoch für die meisten kein Problem, da sie sich mit UNO oder Quartett die Zeit vertrieben haben.

Als wir dann endlich im Flieger saßen, schliefen auch schon die meisten. In München angekommen haben wir uns dann sehr beeilt, unseren Flieger nach Hamburg zu erwischen, da wir spät dran waren! Jedoch schafften wir dies auch noch ohne Komplikationen… Im Flieger angekommen bekamen wir Kuchen und Getränke. Als wir dann endlich landeten und unsere Familien uns empfangen haben, fielen wir ihnen in die Arme und wir waren alle überglücklich, zu Hause zu sein.[bg_faq_end]

Verantwortlich: Anika Meier und Clemens Garbe

Der Austausch wurde gefördert durch:
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